Mit Insolvenzen und sinkender Nachfrage sieht sich die amerikanische Whiskeyindustrie 2026 starken Gegenwind ausgesetzt.
Das Jahr 2026 verheißt wenig Gutes für die amerikanische Whiskeyindustrie – insbesondere für Bourbon. Ein deutliches Signal setzte kürzlich Jim Beam: Der traditionsreiche Produzent aus Kentucky kündigte an, seine Hauptdestillerie in Clermont ab Januar 2026 auf unbestimmte Zeit stillzulegen. Offiziell spricht der inzwischen zu Suntory gehörende Konzern von Investitionen und einer Anpassung der Produktionsmengen an die Nachfrage.
Die Ankündigung sorgt für Unruhe in der Branche. Schließlich galt Bourbon in den vergangenen zwei Jahrzehnten als eine der großen Erfolgsgeschichten im internationalen Spirituosenmarkt. Heute jedoch mehren sich die Zeichen einer Überhitzung: Laut der Kentucky Distillers’ Association lagern derzeit rund 16,1 Millionen Fässer Whiskey in den Warehouses des Bundesstaates – ein historischer Höchststand.
Nach einem starken Verkaufsjahr 2024 brach der Export 2025 abrupt ein, nicht zuletzt infolge neuer US-Zölle, die den kanadischen Markt nahezu zum Erliegen brachten. Insgesamt schrumpfte der US-Whiskeymarkt in den zwölf Monaten bis Juli 2025 um knapp fünf Prozent – sowohl nach Volumen als auch nach Umsatz. Bekannte Marken wie Bulleit und Wild Turkey meldeten deutliche Rückgänge, Brown-Forman reduzierte seine Belegschaft zweistellig.
Noch schwerer wiegt ein langfristiger Trend: Der Alkoholkonsum in den USA fiel 2025 auf den niedrigsten Stand seit 90 Jahren. Vor allem die Generation Z zeigt weltweit wenig Interesse an Alkohol. Verstärkt wird diese Entwicklung durch neue gesundheitliche Studien, die selbst geringen Alkoholkonsum kritisch bewerten, sowie durch den Boom von Gewichtsreduktionsmedikamenten, die offenbar auch den Appetit auf Alkohol dämpfen.
Die Marktbereinigung hat bereits begonnen. Mehrere junge und etablierte Destillerien meldeten Insolvenz an oder suchten Gläubigerschutz – darunter Projekte, die noch vor wenigen Jahren als Vorzeigeinvestitionen galten. Auch ambitionierte Bourbon-Freizeit- und Tourismusprojekte liegen auf Eis.
Zu Beginn des Jahres 2026 erscheint eine schnelle Erholung des Bourbonmarktes daher unwahrscheinlich. Selbst bei einem wirtschaftlichen Aufschwung bleibt die zentrale Frage: Wer soll die gewaltigen Whiskey-Bestände trinken, wenn weltweit weniger konsumiert wird? Mehr zu produzieren, während die Lager überquellen, ergibt in einem gesättigten Markt kaum noch Sinn.